Du vermisst nicht ihn – du vermisst dich selbst in seiner Nähe
- Suse

- 22. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Jan.
Wenn du an ihn denkst, zieht es dir das Herz zusammen. Du vermisst ihn. Seine Nähe, sein Lächeln, seine Stimme, sein Dasein. Du vermisst die Gespräche, das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Doch was, wenn das, was du so sehr vermisst, nicht er war? Sondern du?
Was, wenn du in seiner Nähe einfach nur die Teile von dir gespürt hast, die du im Alltag verdrängt hast? Was, wenn es nicht um ihn geht, sondern um das, was du in seiner Gegenwart in dir selbst fühlen konntest? Dann ist nicht er die große Sehnsucht, sondern deine eigene, lange verlorene Verbindung zu dir selbst.
Die Projektion: Wenn du in ihm dich selbst erkennst
Wir alle tragen Anteile in uns, die wir im Laufe unseres Lebens vergessen, verleugnet oder unterdrückt haben. In einer intensiven Beziehung oder Seelenverbindung fühlt es sich plötzlich an, als wäre da jemand, der diese verlorenen Teile in uns wachruft. Der uns "komplett" macht. Doch was in Wahrheit passiert: Wir erleben durch den anderen eine Spiegelung unserer eigenen Sehnsucht, unserer eigenen Tiefe, unserer Lebendigkeit.
Seine Anwesenheit hat dich vielleicht mutiger gemacht, offener, verletzlicher. Vielleicht hast du dich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gespürt. Endlich lebendig. Endlich gesehen. Doch nicht, weil er dir das geschenkt hat, sondern weil er in dir einen Raum öffnete, in dem du dir selbst begegnen konntest.
Du vermisst die Version von dir, die du bei ihm warst
Was du vermisst, ist nicht seine Art, wie er die Tasse hielt oder wie er deinen Namen sagte. Es ist das Gefühl, das in dir lebendig wurde, wenn du in seiner Nähe warst. Vielleicht warst du freier, weicher, weiblicher. Vielleicht warst du mutiger, kreativer, echter.
Du hast dich wiedergefunden – aber du dachtest, er sei der Grund. Und deshalb versuchst du ihn festzuhalten. Doch in Wahrheit möchtest du nur das Gefühl zurück, das du in seinem Licht erleben durftest. Ein Gefühl, das zu dir gehört. Und das in dir weiterleben kann, unabhängig von seiner Anwesenheit.
Der Irrtum der Sehnsucht
Sehnsucht ist ein kraftvolles Gefühl. Sie kann uns antreiben, uns verzehren, uns wachküssen. Doch sie ist nicht immer ein Ruf nach dem anderen. Oft ist sie ein Ruf nach uns selbst.
Wenn du spürst, dass du an ihm "hängst", obwohl er längst gegangen ist oder nie wirklich da war, dann frage dich: Was hat sich in seiner Nähe in dir bewegt? Welche Facetten durftest du zeigen, fühlen, leben? Und wo hast du diese Anteile inzwischen wieder versteckt?
Deine Sehnsucht ist eine Botschafterin. Sie erinnert dich daran, wer du sein kannst. Wer du in Wahrheit bist.
Selbstverbindung statt Abhängigkeit
Viele von uns verwechseln emotionale Abhängigkeit mit Liebe. Doch echte Liebe beginnt bei dir selbst. Sie entsteht, wenn du dich mit all deinen Anteilen wieder wahrnimmst – nicht nur, wenn jemand anderes sie in dir auslöst.
Lerne, dich selbst wieder zu spüren. Deine Lebendigkeit, deine Sehnsucht, deine Tiefe. Du brauchst niemanden, um dich ganz zu fühlen. Doch manchmal braucht es einen Menschen, um uns daran zu erinnern, dass diese Ganzheit in uns schlummert.
Die Einladung ist nicht, ihn zurückzuholen. Die Einladung ist, dich selbst wieder zurückzuholen.
Der Weg zurück zu dir
Beginne, deine Gefühle zu halten. Ohne sie sofort zu deuten, zu analysieren oder zu bewerten. Erlaube dir Trauer, Wut, Hoffnung, Leere. All diese Gefühle sind kein Rückschritt. Sie sind ein Zeichen deiner Lebendigkeit.
Schreibe dir auf, was du in seiner Nähe gespürt hast. Nicht über ihn, sondern über dich. Welche Version deiner Selbst war lebendig? Welche Seiten von dir durften auftauchen? Und dann frage dich: Wie kannst du dieser Version Raum geben, auch ohne ihn?
Erinnerung statt Idealisierung
Es ist leicht, vergangene Verbindungen zu idealisieren. Doch wenn du ehrlich bist, war nicht alles perfekt. Wahrscheinlich war vieles auch schmerzhaft, unsicher, widersprüchlich. Du darfst die schönen Momente ehren, ohne den Schmerz zu romantisieren.
Erinnere dich: Es geht nicht darum, das Alte zurückzuholen. Es geht darum, das, was du in dir entdeckt hast, mit in dein Jetzt zu nehmen. Ohne Anker im Außen. Mit Wurzeln in dir.
Du bist das Licht, das du gesucht hast
Vielleicht war er nur der Auslöser. Aber du warst die Magie. Vielleicht hat er dich gesehen. Aber du warst diejenige, die endlich bereit war, sich zu zeigen. Vielleicht hat er etwas in dir berührt. Aber du warst das, was berührt wurde.
Du bist das Licht, das du in ihm gesehen hast. Du bist das Gefühl, das du ihm zuschreibst. Du bist der Ort, den du suchst.
Und wenn du das einmal erkannt hast, wirst du merken: Du vermisst nicht ihn. Du vermisst dich.
Und du darfst dich zurückholen. Jeden Tag ein bisschen mehr.




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