Dualseelenprozess - kontrollierst du noch oder fällst du schon?
- Suse

- 21. März 2024
- 3 Min. Lesezeit
Ab einem gewissen Zeitpunkt im Dualseelenprozess meint man, man sei eigentlich schon ziemlich gut.
Gut darin, die Dinge zu verstehen.
Gut darin, ihn endlich loszulassen.
Gut darin, sich selbst zu reflektieren.
Gut darin, Dinge zu transformieren.
Gut in allem.

Anfangs scheinen die Schritte, die man macht, unfassbar groß. Da wird jedes Zipfchelchen, was man loslässt, gefeiert. Man vergleicht die Tagebucheintragungen aus dem letzten Jahr und macht sich einen Sekt auf, weil man sieht, wie unfassbar weit man schon gekommen ist.
Man kramt nochmal nach den schlauen Büchern und vergleicht das eigene Vorankommen mit dem, was dort geschrieben steht.
Man denkt in Phasen.
"Ah, ich bin jetzt hier, dann muss er ja jetzt dort sein."
Sicherheitshalber kauft man sich noch zwei Bücher, um das Gelesene aus Buch 1 zu verifizieren. Reichen Bücher nicht, schaut man nochmal in einer der diversen Dualseelen-Facebookgruppen vorbei und scrollt unablässig durch die Beiträge dort. Und zu guter Letzt bucht man sich dann doch noch den gerade vergünstigten Kurs im Loslassen bei Coach XYZ, kann ja auch nicht schaden.
Was dabei oft vollkommen auf der Strecke bleibt, ist das Verharren im Moment. Das Ankommen im Hier und Jetzt und das Erkennen, dass es Phasen gibt, in denen gefühlt einfach nichts passiert. Nichts vorangeht, nichts im Drehbuch des Lebens steht.
Dies scheinbare Leere lässt Kontrollverlust vermuten, zumindest fühlt es sich so an. Frei nach dem Motto: "Wenn ich nichts tun kann, kann auch viel schief gehen."
Die Dinge kontrollieren zu müssen, haben viele von uns im Laufe ihres Lebens lernen müssen. Wurdest du als Kind nicht wirklich aufgefangen, als du beispielsweise extremen Gefühlen ausgesetzt warst, kann es sein, dass du später alles versuchst, diese Gefühle nicht mehr fühlen zu müssen.
Und wie machst du das am besten? Indem du die totale Kontrolle behältst. Über Situationen, über Menschen und über die Entwicklungen im Leben. Die Strategien dazu sind vielfältig und oftmals sind sie wirklich so subtil, dass wir sie nicht wahrnehmen.
Das Gefühl, alles über eine Situation zu wissen und den weiteren Verlauf bestens zu kennen, sorgt bei vielen für Sicherheit. Im Dualseelenprozess ist diese vermeintliche Sicherheit jedoch trügerisch.
Weil es sie faktisch einfach nicht gibt und weil sie uns davon abhält, das, was es eigentlich wirklich zu lernen gilt, wirklich auf einer tiefen Ebene zu erfahren und zu lernen:
Das 'sich Fallen lassen'.
Das 'sich Hingeben' an den Moment.
Die Annahme eines jeden Gefühls.
Das Öffnen des Herzens für alles, was da ist.
Für mich ist das "Sich fallen lassen" eine große Herausforderung. Ich bekenne mich schuldig - ich kontrolliere auch gern. Ich checke keine Statusmeldungen oder Social Media Profile meines Gegenübers (da gibts auch nichts mehr zu checken), aber ich weiß gern alles über die Situation. Ich weiß gern, warum die Dinge sind, wie sie sind.
Und obwohl ich so viel weiß, Ausbildungen gemacht habe und meistens auch spüre, was gerade für mich dran ist, habe ich festgestellt, dass ich wieder mehr "fallen lassen" praktizieren darf.
Unser Gegenüber reagiert auf das, was in unserem Unterbewusstsein geschieht, da bin ich mir so sicher, wie ich weiß, dass man 'Amen' in der Kirche am Ende des Gebets sagt. Das heißt, dass bei ihm alles 1 zu 1 ankommt, was ich tue, was ich erkenne und was ich vollkommen verkrampft versuche zu kontrollieren. Und das Schlimme dabei ist, dass ich letzteres oftmals nicht mal spüre. Er hingegen schon.
Kann er sich dann fallen lassen in diesen Prozess? - Nö, kann er nicht.
Kann es so weiter gehen mit der gemeinsamen Entwicklung? - Nö, kann es nicht.
Zu erkennen, dass es an der Zeit ist, sich fallen zu lassen, erfordert erstmal die Erkenntnis, dass man es bisher vermieden hat.
In meinem Fall hat die geistige Welt mir das in letzter Zeit oft genug aufgezeigt, aber wie das so ist:
Erstmal verstehe ich ihre ganzen Winke mit Zaunpfählen nicht.
Dann ignoriere ich sie.
So lange am besten, bis es nicht mehr geht.
Dann steige auch ich mal ein in die Kommunikation mit denen. Höre zu und lasse mich führen.
Was dann geschieht ist einfach schön. Das Gefühl der Enge weicht einem Gefühl der Weite und ich kann spüren, wie Entwicklung wieder möglich ist.
Vielleicht schreibe ich das mal lieber gleich in mein Tagebuch, damit ich am 21.03.2025 diese Seite aufschlagen und sagen kann: "Ach schau mal an, da bin ich aber weit gekommen seit letzten Jahr." ;-)




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