Kontrollverlust oder auch der tiefe Fall
- Suse

- 31. Aug. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Unser Gehirn ist permanent damit beschäftigt, in unserem Leben für Sicherheit zu sorgen. Das ist evolutionär bedingt. Es versucht die Dinge zu kontrollieren. Das muss es auch, denn sonst wären wir nicht lebensfähig. Bis zu einem gewissen Grad gelingt ihm das gut. Bei den "einfachen" Sachen, ist unser Gehirn Weltmeister im Kontrollieren. Bis es dann fein säuberlich zusammengeschnürt mit unserem Herzen und unserer Seele mit voller Wucht und mit Karacho in diesen Prozess geworfen wird.
Besonders zu Beginn meines eigenen Dualseelenprozesses habe ich schnell festgestellt, dass ich nix mehr unter Kontrolle hatte. Meine Tränendrüsen hatten ein ziemlich krasses Eigenleben entwickelt, meine Gedanken glichen einem sich endlos drehendem Karussell und ich war weit entfernt von jeglicher Souveränität.
Mir entglitt alles und ganz besonders mein Gegenüber.
Nur mal so meine Highlights aus der Zeit:
Wenn ich mit ihm sprechen wollte, entzog er sich.
Schrieb ich ihm, antwortete er nicht.
Ging ich auf ihn zu, entfernte er sich.
Entfernte ich mich, blieb er wo er war.
Sagte ich was nettes, kam nix zurück.
Sagte ich gar nichts, kam auch nichts zurück.
Sprach ich von Gelb, malte er Blau.
...und und und.....
Ich habe wirklich alles versucht, um wieder ein klein wenig Kontrolle in unsere Verbindung zu bringen.
Ich habe mich angepasst, mich aufgelehnt und mich verbogen.
Ich habe schöne Bilder rausgesucht und sie in meinen Status gepackt, damit er doch endlich versteht.
Ich habe ihm mit meinem Profilbild sagen wollen, was ich denke.
Ich habe immer wieder versucht, auf ihn zuzugehen, um nur endlich das gewünschte Verhalten zu bekommen.
Zusammengefasst: Ich habe mich, rückblickend betrachtet, oft echt zum Horst (liebe Grüße an dieser Stelle! ;-)) gemacht.
Nichts, aber auch gar nichts, brachte mich aus dem gefühlten Treibsand zurück auf festen Boden.
Der Verlust von Kontrolle lässt uns schier durchdrehen. Er lässt uns Dinge tun, die nicht rational sind. Kontrollverlust lässt uns in Muster unserer Kindheit zurückfallen. Denn dort haben wir oft gelernt, dass es extrem schmerzhaft ist, wenn wir die Kontrolle nicht haben. Am liebsten würden wir uns also auch mit Mitte 30 auf den Boden werfen und schreien oder aber wir wollen uns unter einer warmen Decke verkriechen und solange am Daumen nuckeln, bis die Bedrohung vorbei ist und wir wieder Kontrolle haben.
Kontrollverlust tritt auch ein, wenn wir von starken Gefühlen überrannt werden. Dazu zählt auch die Liebe. Plötzlich gibt’s nichts mehr, was wir tun können, um die bisher vorhandene Sicherheit zu spüren.
Sicherheit entsteht bei vielen schlichtweg durch flache Gefühle. Nicht zu tief eintauchen ins Gewässer der Liebe, nicht zu sehr reingehen. Alles oberflächlich lassen, dann passiert schon nix schlimmes.
Doch dann lacht sich das Leben ins Fäustchen und präsentiert uns einen Menschen, bei dem wir plötzlich fallen. Meterweit ins Nichts. In die Gefühle. In das Unbekannte. In das Dunkele und in das strahlende Hell zugleich.
Jegliche Kontrolle geht flöten. Wir versinken. Immer mehr. Treibsand umgibt unsere Füße und wir können nichts tun. Je mehr wir mit den Armen rudern, desto schneller sinken wir immer tiefer….
Das Leben zwingt uns, hinzusehen, wo wir ein Problem mit unserer vermeintlichen Kontrolle haben. Wo wir denken, dass wir alles im Griff haben. Immer wieder kommt es und hämmert solange gegen unsere Mauern aus vermeintlicher Kontrolle, bis uns ganz schummrig wird. Solange nämlich, bis wir erkennen, dass das einzige, was wir wirklich in Griff haben können, wir selbst sind. Unsere Art und Weise auf die Dinge zu reagieren - daran können wir arbeiten. Alles andere passiert. Immer wieder. Solange bis wir das eine verstanden haben….




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